Ein Akupressurring ist ein kleiner Federring mit Noppen, den Sie über einen Finger auf und ab rollen. Er weckt die Hände auf, fühlt sich kribbelnd warm an und ist eine gute Pause für Hände, die den ganzen Tag tippen. Dass er über die Finger Organe oder Beschwerden im Körper beeinflusst, ist dagegen nicht belegt. Studien zum Ring selbst gibt es nicht.
Was ein Akupressurring ist
Der Ring besteht meist aus einem spiralförmig gewickelten Stahldraht, seltener aus Kunststoff. Die Windungen sind leicht federnd, deshalb passt ein Ring auf fast jeden Finger. Man nennt ihn auch Igelring, Fingerring oder Su-Jok-Ring.
Der letzte Name verrät die Herkunft. Su Jok ist ein Verfahren, das in den 1980er Jahren in Südkorea entstand. Es geht davon aus, dass sich der ganze Körper verkleinert in Hand und Fuss abbildet: der Daumen steht für den Kopf, die Finger für Arme und Beine. Ähnlich argumentiert die Fussreflexzonen-Karte. Für beide Modelle fehlt ein anatomischer Nachweis. Es gibt keine Nervenbahn, die einen bestimmten Fingerabschnitt mit einem bestimmten Organ verbindet.
Warum er sich so intensiv anfühlt
Dass ein so kleiner Ring so deutlich zu spüren ist, hat einen einfachen Grund: Die Fingerkuppe ist eine der am dichtesten mit Tastsensoren besetzten Stellen des Körpers. Eine viel zitierte Messung aus der Physiologie kam auf rund 241 Tastrezeptoren pro Quadratzentimeter an der Fingerkuppe, in der Handfläche auf nur etwa 58. Das ist mehr als das Vierfache.
Jede Noppe des Rings reizt also sehr viele Nervenenden auf kleiner Fläche. Dazu kommt die Reibung, die die Haut leicht erwärmt und rötet. Beides erklärt das Kribbeln und das Gefühl, die Hände seien danach wacher. Mit einer Wirkung auf entfernte Körperregionen hat das nichts zu tun. Es ist eine sehr dichte Berührung, und die kann angenehm sein.
Was die Forschung sagt
Zu Akupressurringen gibt es keine kontrollierte Studie. Das heisst nicht, dass sie schaden, aber jede Aussage zu Blutdruck, Verdauung oder Immunsystem ist eine Behauptung ohne Beleg.
Besser untersucht ist Akupressur an Punkten am Körper. Der am gründlichsten geprüfte ist P6 an der Innenseite des Handgelenks. Eine Cochrane-Übersicht mit 59 Studien fand Hinweise, dass Druck oder Reiz auf diesen Punkt Übelkeit nach Operationen verringern kann. Genau dieser Punkt liegt aber nicht am Finger. Ein Ring erreicht ihn nicht, dafür braucht es den Daumen oder ein Armband mit Druckknopf. Eine Übersicht weiterer Punkte finden Sie in Akupressur: die wichtigsten Punkte und ihre Wirkung.
So wenden Sie den Ring an
- Grösse prüfen: Der Ring soll mit leichtem Widerstand über das Fingergelenk gleiten. Klemmt er, ist er zu eng.
- Rollen: Schieben Sie ihn zwischen den Handflächen langsam bis zur Fingerwurzel und zurück. Zehn bis zwanzig Bewegungen pro Finger reichen.
- Druck dosieren: Je fester Sie die Hände zusammendrücken, desto stärker greifen die Noppen. Es darf kribbeln, aber nicht stechen.
- Kurz halten: Etwa eine halbe Minute pro Finger, fünf Minuten für beide Hände insgesamt. Länger bringt nichts ausser gereizter Haut.
- Abnehmen: Den Ring nie am Finger lassen, auch nicht für ein paar Minuten am Schreibtisch.
Gut passt der Ring in Tipp-Pausen. Wer Hände und Unterarme gründlicher lockern will, findet Griffe in Handmassage: die wichtigsten Punkte. Mit einem grösseren Noppenball geht es in Handmassage mit Igelball.
Wann Sie ihn weglassen sollten
- Taube Finger: Bei Diabetes oder Polyneuropathie spüren Sie zu viel Druck oft nicht. Kleine Verletzungen bleiben dann unbemerkt.
- Geschwollene Finger: Bei Schwellung, Gichtanfall oder entzündeten Gelenken kann der Ring einschnüren.
- Verletzte Haut: Nicht über Wunden, Ekzeme oder frische Narben rollen.
- Blutverdünner: Hier reicht wenig Druck für Blutergüsse.
- Kleine Kinder: Ein Ring ist ein verschluckbares Kleinteil.
Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in den Fingern, die von selbst kommen, etwa nachts, gehören ärztlich abgeklärt. Dahinter kann ein eingeengter Nerv am Handgelenk stecken. Ein Ring ist dafür kein Mittel.
Ring, Handgerät oder Massagesessel?
Der Ring arbeitet nur an den Fingern. Für die Handfläche und das Handgelenk eignen sich Handmassagegeräte mit Luftdruck, für Nacken, Rücken oder Füsse andere Geräte. Eine Übersicht finden Sie unter Massagegeräte. Wer in Hamburg ist, kann in der NAIPO Relax Lounge ausprobieren, wie sich eine flächige Massage im Massagesessel anfühlt.
Häufige Fragen
Auf welchen Finger kommt der Akupressurring?
Auf jeden, nacheinander. Nach der Su-Jok-Lehre soll jeder Finger einer Körperregion entsprechen. Belegt ist das nicht, deshalb spricht nichts dagegen, einfach alle zehn zu rollen.
Wie oft am Tag darf ich ihn benutzen?
Zwei bis drei kurze Runden sind unproblematisch. Wird die Haut rot und empfindlich oder bleiben Abdrücke länger als ein paar Minuten, legen Sie eine Pause ein.
Hilft ein Akupressurring bei Arthrose in den Fingern?
Dafür gibt es keine Studien. Sanfte Bewegung der Finger tut vielen gut, bei geschwollenen oder entzündeten Gelenken lassen Sie den Ring aber besser weg und fragen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Quellen
- Johansson RS, Vallbo AB (1979): Tactile sensibility in the human hand: relative and absolute densities of four types of mechanoreceptive units in glabrous skin. Journal of Physiology. doi:10.1113/jphysiol.1979.sp012619
- Lee A, Chan SK, Fan LT (2015): Stimulation of the wrist acupuncture point PC6 for preventing postoperative nausea and vomiting. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.CD003281.pub4
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.




Hinterlasse einen Kommentar
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.